🗞️ Kolumnen & Analysen 

In dieser Rubrik verbinde ich fachliche Analyse mit persönlicher Haltung.

Als vereidigte Bausachverständige betrachte ich Wiederaufbau, Stadtentwicklung und den Umgang mit zerstörter Bausubstanz aus technischer und praktischer Perspektive – jedoch stets mit dem Bewusstsein, dass hinter jedem Bauwerk Menschen, Biografien und Geschichte stehen.

Neben sachlichen Stellungnahmen finden hier auch Gedichte und Reflexionen zum Krieg ihren Platz.

Denn für mich gehören beide Ebenen zusammen:
das präzise Verstehen – und das menschliche Begreifen.

 

Putin du bist ein Paria!
Hör mit dem Morden auf, ja!
Du gewinnst ihn nicht deinen Krieg
FĂĽr dich gibt es keinen Sieg!
Dein eigenes Volk ist dir scheiĂźegal,
es auch betrogen in jener Wahl!
Verschwinde aus dem Kreml
Nimm mit,was dich um umwimmelt,
Die Welt ist gegen Dich,
und du bleibst nur ein Bösewicht
im Laufe der Geschichte,
es kommt alles dann ans Lichte,
Deine Taten,Deine LĂĽgen,
und keinen kannst du mehr betrĂĽgen!
Dein Grab im nirgendwo,
du bleibst dann nur ein LĂĽgner irgendwo!
Drum kehre um,
sei nicht so dumm –
nur Gott kann Dir noch verzeihen –
doch dazu musst du dich beeilen!
Sonst schmorst du in der Hölle Qualen
Denn du wirst dafür bezahlen –
Elendlich auf ewiglich!
©Frauke Danker

 

Wollte die Erde Selbstmord machen?
Als sie ihnen erlaubte , sich alles zu nehmen, zu rauben und zu zerstören?
Oder hat sie nicht gewusst, dass sie sie ermorden werden?
Und damit sich selbst...
©Frauke Danker  (geschrieben1972)
Gott als Grundbuchamt
Wie alte Männer die Welt in die Wüste schicken
Wer heute auf den Nahen Osten blickt, fühlt sich in eine Endlosschleife der Antike versetzt. Schon vor Jahrtausenden war diese Region Durchgangsland der Weltmächte, ein Schauplatz von Eroberungen, Glaubenskriegen und Imperien. Doch was wir heute erleben, ist keine bloße Wiederholung der Geschichte – es ist ihre Eskalation. Und sie wird nicht von den Völkern getragen, sondern von alten Männern in Palästen.
Es ist eine bittere Ironie unserer Zeit: Ein Volk, dessen Geschichte vom unermesslichen Leid des Holocaust geprägt ist, muss heute zusehen, wie eine skrupellose politische Führung den Ruf und die moralische Integrität einer ganzen Gemeinschaft beschädigt. Eine Kriegsführung ohne erkennbare Verhältnismäßigkeit liefert den Hetzern weltweit genau das Material, das sie für ihre hasserfüllten Narrative brauchen.
Das Argument der „Verteidigung“ klingt hohl, wenn gleichzeitig Land annektiert wird, als gäbe es kein Völkerrecht.
Doch der Konflikt endet nicht an einer Grenze. Er zieht sich durch die gesamte Region. Auch dort, wo religiöse Macht im Namen des Islam politische Herrschaft legitimiert, wird Glauben zur Waffe und der Staat zum Instrument einer Ideologie.
Ob jüdischer Messianismus, islamischer Gottesstaat oder christlicher Besitzanspruch – überall dort, wo Religion politische Territorien begründen soll, entsteht derselbe Mechanismus:
Gott wird zum Grundbuchamt.
Dabei geht es selten um den Glauben des kleinen Mannes. Der will schlicht atmen, arbeiten und seine Kinder in Sicherheit aufwachsen sehen. Es geht um Machtstrukturen, die sich religiös tarnen. Eine spirituelle Tradition wird zur politischen Besitzurkunde umgedeutet – und plötzlich gelten uralte Schriften als legitime Grundlage für Grenzziehungen, Vertreibungen und Kriege.
Religion wird zur Waffe – und die Gläubigen zu Statisten in einem geopolitischen Theater.
Man hört oft den Satz: „Wo diese Menschen sind, ist Konflikt.“ Doch das ist die bequemste Lüge unserer Zeit. Der Konflikt entsteht dort, wo Religion und Staat nicht getrennt sind.
Das gilt nicht nur für den Nahen Osten. Auch Europa hat seine eigenen erstaunlich langlebigen Relikte dieser Verbindung. Warum fungiert ein moderner Staat noch immer als Inkassobüro für Kirchensteuern? Warum besitzen religiöse Institutionen hunderte Milliarden an Grund und Boden, während ihre sozialen Leistungen weitgehend aus öffentlichen Mitteln finanziert werden?
Es ist ein altes Prinzip: Besitzstandswahrung unter dem Deckmantel der Nächstenliebe.
Wenn die Vernunft der Menschen nicht ausreicht, diese verkrusteten Strukturen aus Macht, Besitz und Glaubenspolitik aufzubrechen, könnte eine andere Kraft das erledigen. Der Klimawandel kennt keine heiligen Grenzen und keine „versprochenen Länder“.
Wenn Hitze und Wasser die Paläste erreichen, wird der Kampf um Ideologien plötzlich zweitrangig.
Bis dahin steuern führungsschwache, aber machtversessene Eliten ihre Länder sehenden Auges in die Katastrophe. Eine Selbstzerstörung aus ideologischer Verblendung.
Wenn kein Stopp kommt – von innen oder von außen – könnte von der mühsam aufgebauten Zivilisation am Ende nur das übrig bleiben, was diese Region schon einmal war:
Staub.
Und WĂĽste.
Und die Verantwortlichen werden zwischen den Trümmern sitzen, während die Welt sich fragt, warum wir die Trennung von Gott und Staat nie ernsthaft vollzogen haben.
 Text und Bild "Zerstörte Welt " © Frauke Danker

 

🕊️

Dieses Foto ist 1949 entstanden.
Mein Vater an seinem Schreibtisch.
Hinter ihm eine Karte.
Vor ihm Akten.
Ein Telefon, ĂĽber das Entscheidungen liefen.
Alles war kaputt damals. Und doch saßen Männer an Tischen und ordneten die Welt neu.
Auf diesem Bild bin auch ich.
Ein kleines Mädchen, das fragte:
„Papa, warum gibt es Krieg?“
Er sagte:
„Weil die Menschen dumm sind.“
Heute sehe ich wieder Männer an Tischen.
Wieder Karten an Wänden.
Nur heiĂźen die Orte jetzt Teheran, Jerusalem, Washington.
Iran.
Israel.
Die USA.
Regionale BĂĽndnisse. Globale Interessen.
Wieder wird gerechnet, abgewogen, strategisch argumentiert.
Wieder sprechen alle von Sicherheit.
Aber auf keiner Karte sieht man die Angst eines Kindes.
Auf keiner Lagebesprechung hört man das Zittern einer Mutter.
Konflikte entstehen nicht nur auf Schlachtfeldern.
Sie entstehen an Schreibtischen.
In Gedankenspielen.
In Machtlogiken.
Mein Vater verwaltete TrĂĽmmer.
Heute produzieren wir sie wieder – mit mehr Technik, mehr Reichweite, mehr Rechtfertigungen.
Vielleicht war seine Antwort zu einfach.
Vielleicht ist es nicht nur Dummheit.
Aber wer nach zwei Weltkriegen, nach Millionen Toten, nach all den „Nie wieder“-Reden immer noch glaubt, Krieg sei ein Mittel der Vernunft – der hat aus den Karten hinter sich nichts gelernt.
🕊️ Und irgendwo fragt gerade wieder ein Kind:
„Warum?“

 

Freitag, der Dreizehnte
Von 30 Silberlingen zu Einflussnahme.
Freitag, der 13. gilt als UnglĂĽckstag.
Seinen theologischen Schatten verdankt er einem Abendmahl mit dreizehn Personen: zwölf Apostel und Jesus.
Und einer davon – sagen wir – hatte bereits Finanzpläne.
30 Silberlinge und später bekam die Zahl 13
einen Makel mit Ewigkeitsgarantie.
Heute fällt Schneeregen. Keine Prophetie, nur Wetter.
Und wenn heute Nebenabsprachen getroffen werden,
dann selten aus göttlicher Vorsehung –
auch wenn sich mancher Politiker auffĂĽhrt,
als sei er nicht gewählt, sondern gesalbt –
und halte selbst das Weltgericht fĂĽr eine Form der Zustimmung.
Text und Bild ©Frauke Danker
Karikatur einer überzeichneten Machtfigur zwischen Geld, Geste und öffentlicher Inszenierung.

 

Die groĂźe Klimazaubershow
Meine Damen und Herren, treten Sie näher:
Hier sehen Sie das größte Kunststück unserer Zeit.
Ein alter Mann im Anzug steht vor einem brennenden Wald und erklärt, das Feuer sei in Wahrheit eine energetische Umarmung der Natur. Kohle? Ein schwarzer Diamant der Unschuld. Rauch? Sichtbar gewordene Freiheit. CO₂? Pflanzendoping.
Applaus brandet auf.
Im Hintergrund knacken Eisschilde wie altes Porzellan, Meere üben schon mal das Treppensteigen, und irgendwo flüstern tausende Forschende mit stoischer Höflichkeit:
„Es kippt schneller als gedacht.“
Aber wer braucht Modelle, Messreihen, Satelliten – wenn man ein fest verschlossenes Weltbild besitzt?
Manche verwandeln Wasser zu Wein.
Andere verwandeln Fakten zu Meinung.
Und ihre Gefolgschaft nickt so synchron, dass man sie für ein Metronom der Selbsttäuschung halten könnte.
Grotesk ist nicht, dass sie es nicht wissen.
Grotesk ist, dass sie es wissen könnten.
Doch lieber glaubt man, Thermometer seien ideologisch.
Gletscher schmelzen aus Trotz.
Und Naturgesetze lieĂźen sich mit genĂĽgend Applaus ĂĽberschreiben.
Das Klima diskutiert nicht.
Es liefert nur Konsequenzen.
Und während die Bühne langsam wärmer wird, ruft jemand aus der ersten Reihe:
„Mehr Kohle! Es zieht!“
Text und Bild: © Frauke Danker

 

Klein und in Geiselhaft:
Es ist dunkel und mir ist kalt.
Ich weiĂź nicht, ist es Tag oder Nacht?
Alles ist ohne Zeit.
Mama ist fort. Warum hat sie mich allein gelassen?
Ich erinnere mich nicht mehr.
Hungrig und durstig bin ich immerzu.
Manchmal kommen schwarze Gestalten, grob stoĂźen sie mich an, heben mich hoch und tragen mich fort.
Wohin, das weiĂź ich nicht.
Nach einer Weile setzen sie mich ab.
Weinen höre ich und laute Stimmen.
Einen lauten Knall, mehrere.
Jemand schreit laut. Ich höre etwas fallen.
Dann ist es still, so still, und ich glaube, ich bin ganz allein.
Es ist eine endlose Schwärze um mich herum,
Was ist Licht oder Sonnenschein?
Ich weiĂź es nicht mehr.
Ich will nach Hause, warum holt mich niemand?
Warum muss ich hier sein, was habe ich getan?
Zuhause haben mich alle lieb.
Hier ist es einsam und keiner hat mich lieb, ich werde nur geschubst.
Manchmal höre ich lautes Gelächter und böse Stimmen, dann Schreie und dann ist es wieder still.
Ich darf nicht laut weinen.
Dann schlagen sie mich.
Meine Augen sind schon lange tränenlos.
Das Leben, es hat mich verlassen.
© Frauke Danker

Aus Verantwortung abgeraten
(Bekenntnisse eines Finanzierungsberaters)
Ich war Finanzierungsberater. Einer von den VernĂĽnftigen.Von den Verantwortlichen.
Menschen kamen zu mir, weil die Miete zu hoch war und sie etwas Eigenes wollten.
Eine Wohnung. Ein Haus. Ein StĂĽck Sicherheit.
Ich hörte zu. Ich rechnete.
Ich nickte. Und dann riet ich ab.
Kein Vermögen. Keine Rücklagen. Ein Kind. Ein Einkommen, das schwankt.
Selbstständig.
Das Leben ist nicht planbar, sagte ich. Und genau deshalb dĂĽrfen Sie kein Eigentum haben. Wer nichts hat, bekommt nichts. Und wer doch etwas bekommt, bekommt es nur unter der Bedingung, es wieder zu verlieren, wenn er die Kredite nicht mehr bedienen kann.
Nicht aus WillkĂĽr. Nicht aus Bosheit.
Sondern bei Krankheit. Auftragsflaute. Einem Bruch im Leben. Dem Unplanbaren.
Dann greift das System. Sachlich. Regelkonform. Das Haus wird verwertet. Die Schulden bleiben. Das Risiko trägt der Mensch. Allein.
Das wäre schlimm, sagte ich. Für Sie – und natürlich auch für uns.
Also riet ich ab. Aus Verantwortung. Ich habe oft abgeraten. Sehr oft. Und ja, ich habe dabei auf mein Honorar verzichtet, lieber, als Menschen, in ihr UnglĂĽck stolpern zu lassen. Ich habe keine AbschlĂĽsse gebraucht. Ich habe niemanden ĂĽberredet.
Ich habe nicht verdient, wenn ich Zweifel hatte. Und trotzdem blieb das Ergebnis gleich. Die Menschen blieben Mieter. Flexibel. Anpassungsfähig. Jährlich kündbar.
Jährlich teurer. Das Risiko verschwand nicht. Es wurde nur verlagert. Weg von der Bank. Hin zum Menschen.
So funktioniert Verantwortung im System. Wohnen gilt als GrundbedĂĽrfnis. Solange es sich rechnet. Sicherheit ist wichtig.
Aber nicht für Menschen – für Kapital.
Ich habe korrekt gehandelt. Nach allen Regeln. Nach allen Modellen.Und genau darin
liegt die Ungerechtigkeit. Geld regiert die Welt. Ich habe ihm nicht gedient, um reich zu werden. Sondern um Schaden zu begrenzen. Sehr professionell. Sehr verantwortungsvoll. Schuldig ist nicht der Einzelne, sondern ein System, das Sicherheit nur denen gewährt, die sie nicht brauchen.
Wer nichts hat, bekommt nichts – und wer etwas bekommt, darf es nur behalten, solange er funktioniert.
Das ist keine Vorsicht. Das ist Kapital vor Mensch.
Ich werde immer noch gefragt.
Und ich rate immer noch ab – aus Verantwortung.
Denn aus dem Menschen wird ein StĂĽck Papier,
eine Risikoakte, die berechnet wird.
Nürnberg – das Sondergericht für Verlierer
Die NĂĽrnberger Prozesse waren ein Meilenstein der Menschheit.
Allerdings nur für Länder ohne Vetorecht im Sicherheitsrat.
Seitdem wissen wir:
Völkerrecht ist kein Gesetz – es ist ein Statussymbol.
Es gilt zuverlässig für Ex-Jugoslawien, für afrikanische Kriegsfürsten, für alle, die dumm genug waren zu verlieren.
Vietnam? My Lai?
War wohl ein Missverständnis mit Napalm.
Stalin? Millionen Tote?
Ach bitte, der hat den Krieg gewonnen.
Und heutige Staatsmänner, bei denen Nürnberg 1945 wie ein Drehbuch wirkt?
Die reisen erster Klasse zu Gipfeltreffen – nicht in Handschellen.
Die Regel ist simpel und bewährt:
Wer verliert, ist Verbrecher.
Wer gewinnt, ist Geschichte.
Wer mächtig ist, ist unantastbar.
Nürnberg war kein Anfang des Weltrechts –
es war die feierliche EinfĂĽhrung der Doppelmoral mit Robe und Richterhammer.
Und bis heute gilt:
Gerechtigkeit ist universell.
Sie wird nur leider nach Gewichtsklasse angewendet.
Hier begann das Völkerrecht. Und endete an der Machtfrage.
Gerechtigkeit hat Sieger.

 

 

 Fatalismus
oder: Die grausame Erkenntnis

 

Vermutlich ist das, was gemeinhin als „ewiges Leben“ bezeichnet wird,
kein metaphysischer Zustand, sondern ein biologischer Prozess:
kontinuierliche Vermehrung, Weitergabe von Information, Erhaltung der Art.

 

Das Individuum selbst ĂĽberdauert nicht.
Es bleibt zunächst als Erinnerung bestehen –
in anderen Menschen, in sozialen Strukturen, in kulturellen Fragmenten.
Diese Erinnerung ist zeitlich begrenzt.
Sie verblasst mit dem Verschwinden der Träger.

 

Eine Ausnahme bilden Individuen,
die etwas erzeugen, das ĂĽber ihre Lebensspanne hinaus wirksam bleibt:
eine Entdeckung, eine Theorie, eine Berechnung, ein Text.
Doch auch diese Spuren sind nicht unbegrenzt stabil.
Sie unterliegen ebenfalls dem Vergessen, der Ăśberlagerung, der Irrelevanz.

 

Daraus folgt eine unbequeme Konsequenz:
Unsterblichkeit ist kein Versprechen, sondern eine statistische Randerscheinung.

 

Für religiöse Systeme ist diese Erkenntnis problematisch.
Wenn kein individuelles Weiterleben existiert, kein personales Jenseits, keine transzendente Gedächtnisinstanz, verlagert sich Hoffnung vollständig in die Gegenwart.

 

Glaube verliert damit seine eschatologische Funktion und wird zu einem kulturellen Bewältigungsmechanismus.
Nicht Gott entscheidet ĂĽber Dauer, sondern Zeit.
Nicht Moral ĂĽber Fortbestand, sondern Relevanz.

 

Die grausame Erkenntnis lautet daher:
FĂĽr die Mehrheit endet Existenz dort, wo Erinnerung endet.

 

Ohne Urteil.
Ohne Sinnstiftung.
Ohne Trost.

 

Nur Leben.
Und danach: nichts Messbares.

©Frauke Danker

 

 

 

 

 

DrauĂźen ist es kalt, ungemĂĽtlich, grau.
Schnee? FrĂĽher romantisch. Heute: rutschiges Symbol der Ăśberforderung.

 

Man könnte rausgehen.
Oder drinnen bleiben und das Leben philosophisch lösen.
Die Entscheidung fällt erstaunlich leicht.

 

Wenn der Mensch nicht mehr friert, weil er dick angezogen ist,
passiert etwas Gefährliches:
Man bekommt Zeit.

 

Zeit, um nachzudenken.
Ăśber den Sinn.
Ăśber das Leben.
Über warum man eigentlich jemals dachte, Schnee sei „schön“.

 

Im Sommer hat man dafür keine Kapazitäten –
da ist man mit Leben beschäftigt.
Im Winter dagegen sitzt man da, warm, bewegungsarm,
und denkt plötzlich Dinge zu Ende.

 

Und irgendwo zwischen Tee, Decke und Stille
entsteht Satire:
der natürliche Schutzmechanismus des denkenden Säugetiers
gegen Kälte, Winter und zu viel Zeit.

 

Kurz gesagt:
Wenn es drauĂźen ungemĂĽtlich wird,
wird es drinnen philosophisch.

 

©Frauke Danker

 

 

 

 

 

 Der Sinn des Lebens ist das Leben.
Und – ganz ambitioniert – das Weiterleben. Sicher.

 

Denn biologisch betrachtet ist der Sinn ziemlich unromantisch:
Erhaltung der Art. Punkt.

 

Solange die Natur gnädig ist, wir etwas zu essen finden (oder herstellen), atmen können und nicht aus Versehen den eigenen Lebensraum sabotieren, läuft der Laden. Die sogenannten erogenen Zonen sind dabei übrigens kein Bonus-Feature aus der Spaßabteilung, sondern ein sehr cleverer Trick der Evolution: Lust als Motivation zur Vermehrung. Nicht zum Zeitvertreib. Zum Zweck.

 

Ein Blick ins Tierreich genügt: Da läuft das Ganze genauso. Nur nicht permanent, sondern zyklisch. Saisonware sozusagen. Auch dort werden Junge aufgezogen, beschützt, gepflegt – zur Erhaltung der Art. Wie bei uns. Nicht bei allen, aber bei den meisten. Auch wie bei uns.

 

Und was ist der Mensch biologisch gesehen?
Richtig:
ein Säugetier.

 

Also? Uns unterscheidet gar nicht so viel von den anderen.
Außer vielleicht, dass wir anfangen, PowerPoint-Präsentationen über den
Sinn des Lebens zu halten, während andere Säugetiere einfach… leben.

 

Kurz gesagt:
Wir denken zu viel.
Der Sinn ist längst geklärt.
Er ist nur leider nicht besonders poetisch.

©Frauke Danker

 

 

 

Foto: Säugetiere bei der Arbeit.
Sinn des Lebens: erledigt.

 

 

 

 

Die Gebrauchsanweisung fĂĽrs Ewige
Religionen beantworten seit Jahrtausenden dieselbe Frage:
Was kommt danach?
Doch während über Ewigkeit diskutiert wird,
scheitert das Endliche täglich.
Hunger fragt nicht nach Glauben.
Bomben kennen keine Konfession.
Der Tod unterscheidet nicht zwischen Kirche, Synagoge, Moschee
oder der Stille eines Waldes.
Ewigkeit ist ein Wort ohne Zeit.
Keine Spanne, kein MaĂź, keine Vorstellung.
Nicht einmal unsere Sonne ist ewig –
in ein paar Milliarden Jahren wird auch sie vergehen.
Was also soll „für immer“ bedeuten
fĂĽr Wesen, die schon mit dem Jetzt ĂĽberfordert sind?
Vielleicht ist das Danach so wichtig geworden, weil das Hier unbequem ist.
Denn alles, was sicher ist, ist dieses eine Leben.
Dieses kurze Zeitfenster, in dem es möglich wäre, ohne Hunger zu leben, ohne Kälte,
ohne Hitze, ohne Krieg.
Nicht, weil es utopisch ist – sondern weil es menschengemacht nicht geschieht.
Gottesfurcht, verstanden als Moral, als Verantwortung, als Verzicht auf Macht, Gier und Selbstüberhöhung, wäre kein Gegensatz zur Freiheit.
Sie wäre ihre Voraussetzung.
Und falls es kein Ewiges gibt, kein Danach, keine jenseitige Gerechtigkeit:
Dann bleibt nur dieses Leben.
Und damit die Pflicht, es menschlich zu gestalten.

 

 

Wir leben in einer Zeit, in der Menschenrechte zuverlässig eingehalten werden.
Zumindest theoretisch.
Praktisch werden sie situationsabhängig angewendet.

 

Menschen, die erschossen werden, gelten als Kollateralschäden.
Das ist kein Zynismus, sondern Verwaltungslogik.
Wo gehobelt wird, fallen Menschen.

 

Kinder sind dabei besonders tragisch –
weshalb man sie möglichst schnell in Zahlen umwandelt.
Zahlen schreien nicht.

 

Wer stirbt, war entweder Terrorist oder stand kurz davor, einer zu werden.
Das spart Ermittlungen.
Unschuldsvermutung ist schlieĂźlich ein Luxusgut.

 

Menschen verschwinden heute nicht mehr.
Sie werden verlegt, isoliert oder vorübergehend unzugänglich gemacht.
Rechtsstaatlich begleitet, nur eben ohne Ă–ffentlichkeit.

 

In Lagern und Gefängnissen geschehen Unfälle.
Menschen stĂĽrzen, ersticken, verwechseln Fenster mit TĂĽren.
Das Leben ist gefährlich – besonders in Haft.

 

Militärische Gewalt ist präzise.
So präzise, dass sie ganze Familien trifft.
Aber immerhin zielgerichtet.

 

Folter existiert nicht.
Sie wurde sprachlich abgeschafft.
Ăśbrig geblieben ist eine Form intensiver Kommunikation mit nachhaltiger Wirkung.

 

Und wenn all das kritisiert wird,

kann man beruhigt darauf verweisen, dass man die Menschenrechte hochhält.
Sehr hoch.
So hoch, dass man sie von unten kaum noch erkennen kann.

 

Im Tierreich herrscht Grausamkeit ohne Ideologie.
Der Mensch hat sie perfektioniert
und Menschenrechte darĂĽber geschrieben.

 

©Frauke Danker

 

 

 

 

Wahrheit?
Man findet sie nicht. Sie ist relativ. Nie objektiv. Jeder hat seine Wahrheit. Und wahre Geschichten liebt die Gesellschaft nicht. Wenn sie die Wahrheit nackt sieht, wendet sie ihren Blick mit Geringschätzung und Empörung ab, denn die Welt der Lüge ist bunter und einfacher zu glauben. Die Wahrheit jedoch ist oft grob und roh und für Eitelkeiten hat sie noch nie Zeit gefunden und sie ist wahrhaft auch keine Speichelleckerin. Ein silbriger Nebel umgibt sie und eine rätselhafte Unerklärlichkeit. Wehrlos scheinen ihre Klagen ganz wie die innere und äußere Reinheit des lauen Tauwinds und der sanften Abendsonne, aber so blendend grell wie das Licht der Sonne am Mittag. Sie ist nicht flexibel oder biegsam wie die Tongabel, die Schwingungen wahrnimmt oder ein Metronom, das den Takt setzt. Die Wahrheit ist klar, durchsichtig und direkt.
Die Wirklichkeit ist, so wie wir sie wahrnehmen. Wahrheit verbindet sich mit Erinnerungen, Träumen und Hoffnungen, Schwingungen und Gefühlen in einer nie gewesenen Tatsächlichkeit. Darum verletzt Wahrheit, weil sie aus der Empfindung und Sichtweite eines Jeden erklärt wird, der Unrecht oder Recht erfahren und erlebt hat. Jeder auf seine Weise.
Die Wirklichkeit ist das, was auf uns wirkt - die Wahrheit aber ist nicht wirklich.
Doch wer sich Lügen malt wird der Wahrheit auch nicht begegnen wollen, weil er sie fürchtet. Auch wenn die gemeine Lüge bestreitet und alles verhindern will, was die Wahrheit zu sagen hat, sie wird sich nicht einschüchtern lassen und erzählen, so abstoßend es auch sein mag.
Die Wirklichkeit jedoch , sie hat mit Wahrheit nicht zu tun. Die Wirklichkeit ist noch härter, man erfährt sie bei Trennungen. Oft sind diese so schmerzhaft wie die Wahrheit. Vor allem wenn sie plötzlich und unerwartet geschieht. Wenn Jemand aus deinem Leben gerissen wird oder sich von dir entfernt wie ein Geist. Wie nie dagewesen. Es ist schwer einen Lebenden an den Tod zu verlieren, der eine Wunde hinterlässt, die sich nicht zu schließen vermag. Es beginnt die tiefe Trauer über den Verlust oder war alles nur Lüge? Irgendwann verschließt sich die Wunde, nur eine Narbe bleibt. Und wenn man über sie hinwegstreicht, so schmerzt auch sie noch lange. Es ist die Erinnerung, Doch der größte Fehler der Erinnerung sind die kreisenden Gedanken, die Suche nach dem Warum und Wieso.
Doch einen geliebten Menschen ans Leben zu verlieren, ist schwerer zu ertragen als sein Tod.
Und keine Seele hat einen Regenbogen, wenn die Augen nicht weinen können.
©Frauke Danker ( Auszug aus Betrug war alles...)
 

Painting in oil on canvas
©Frauke Danker

Warum der Wiederaufbau in Syrien und im Irak nicht mit Deutschland 1945 vergleichbar ist:
🇸🇾🇮🇶 Syrien und Irak – schlimmer als Deutschland 1945!
Und Herr Wadepuhl hat durchaus recht:
Die Lage in Syrien – und ebenso im Irak – ist in vielerlei Hinsicht schlimmer als die Situation in Deutschland im Jahr 1945.
Denn hier nützen keine zwangsverpflichteten „Trümmerfrauen“, die damals gegen Brotmarken Aufräumarbeiten leisten mussten – und deren Tätigkeit, entgegen späterer Verklärungen, keineswegs freiwillig war.
Dieses Modell der Nachkriegszeit lässt sich auf Syrien oder den Irak schlicht nicht übertragen: Während die Frauen in Deutschland überwiegend Backsteinbauten per Hand abtragen und die Ziegel reinigen konnten, bestehen die zerstörten Städte dort heute weitgehend aus massiven Stahlbetonkonstruktionen.
Solche Betonteile lassen sich nicht per Hand sortieren, stapeln oder wiederverwenden. Hier braucht es schwere Baumaschinen, Brecheranlagen und qualifiziertes Fachpersonal, um Bewehrungen zu entfernen und das Material so zu zerkleinern, dass es erneut genutzt werden kann. Der Einsatz entsprechender Maschinen kostet leicht 250.000 € und mehr.
Eine Bevölkerung, die zwangsweise abgeschoben und anschließend in Zelten oder provisorischen Behausungen untergebracht würde, könnte unter diesen Bedingungen weder beim Wiederaufbau helfen noch sinnvoll integriert werden – sie stünde vielmehr buchstäblich im Weg.
Auch die Idee, wie in Deutschland nach 1945, in Kellern notdürftig zu wohnen, ist bei zerstörten Betonbauten unrealistisch: Die Statik solcher Gebäude wäre in jedem Einzelfall unklar oder bereits gefährlich beeinträchtigt.
Darüber hinaus darf sich ein weiterer Fehler der Nachkriegszeit nicht wiederholen: der Verlust von Kulturgütern durch achtloses Zuschütten oder Abräumen historischer Stätten. In Syrien wie auch im Irak – man denke etwa an Palmyra oder Mossul – wäre ein solcher Umgang mit dem kulturellen Erbe ein irreparabler Schaden von weltweiter Tragweite.
Ich spreche hier aus fachlicher Erfahrung: Als vereidigte Bausachverständige mit langjähriger Berufspraxis kann ich die baulichen und technischen Zusammenhänge beurteilen.
👉 Man sollte wissen, worüber man spricht, bevor man fordert, Menschen „einfach zurückzuschicken“.

 

07.Oktober 2023
Sie feierten fröhlich und unbeschwert -
und tanzten im hellen Sonnenlicht
friedvoll und wehrlos
Dann wurde es dunkel - schwarze Nacht
Brutale Gewalt fiel mit Wucht ĂĽber sie her,
Granaten und Gewehrkolben zerfetzten das Sein,
Die Todesschreie erstickten im eigenen Blut -
Gierige Hände ergriffen das Mädchen, zerrissen das Leben
Sie stahlen die Jugend, sie raubten das Kind
Erschlugen die Mutter und köpften den Vater -
Schamlos, kalt, entmenschlicht, hasserfĂĽllt
und ohne Gnade mordeten sie und raubten
Sie stahlen das Brot, das tägliche Leben -
töteten in sinnloser Wut
Sie lachten über schmerzvolleTränen
Nur Gott mag verzeihen -
Der Mensch kann es nicht
Die Gräuel sind unvorstellbar -
Gnädig wird niemand sein.

 

remembrance and mourning
© Frauke Danker

 

Unterwegs in der Ukraine...

 

Ich lief einsam und allein

 im lichten grünen Hain

 Den Frieden zu suchen,

 dort bei den hohen Buchen.

 Da sah ich im Schatten

 hinter rostig blechernen Latten

 Einen Verzweifelten an einem Baume stehn -

 Seine Augen glanzlos tot

 im erloschenen Lebensmut -

 und lauthals hörte ich ihn fleh’n:

 Wer hilft mir nur aus meiner Not

 Wohin soll ich denn geh’n?

 Mein Haus zerstört

 Gestohlen auch, was mir gehört

 Dagegen hab ich mich gewehrt

 Da wurd ich auf die Knie gezwungen,

 und hab um mein Leben gerungen

 gefesselt und gequält.

 Dann entrissen sie mir Frau und Kind

 Die nun entführet sind

 Und meine Tränen flossen,

 als sie den Vater auch erschossen.

 Dann ließen sie mich achtlos liegen -

 im Glauben ich sei nun verschieden.

 Alles wurde mir genommen,

 Mein Leben wie zerronnen,

 Jeder, den ich je geliebt

nun auf dem Friedhof liegt

 und selbst den haben sie vermint ...

 Frieden ohne Waffen,

 ist einfach nicht zu schaffen,

 wenn Horden mordend durch die Lande zieh’n

 und du schaffst es nicht zu flieh’n,

 wenn die Himmel toben feuerrot

 und es naht der Bombentod.

 Dagegen muss man sich erwehren

 Will man nicht den Feind ernähren .

 Frieden eine Utopie

 Der Mensch, er lernt es nie …

 Doch Kriege bringen zu aller Zeit

 tausendfaches Elend und viel Leid.

 

 

                                               © Frauke Danker

 

 

 

 

Der Krieg-Der Schmerz
Mixed Media (partly painted with ash)
©Frauke Danker 1982

Afrika – der Kontinent in Not

Die Wiege der Menschheit –
und doch wird gemordet,
geschändet, verbrannt.
Niemand hilft.
Die Welt sieht weg.
Sind wir nur schwarz,
und darum nichts wert?
Selbst in den Geburtsstationen
tötet man Kinder,
noch ehe sie das Licht erblicken.
Will man uns ausrotten?
Wo ist der Mensch?
Ist er nur ein Raubtier,
das Blut schmeckt und schweigt?
Menschlich nennt man jetzt
das Morden der Tyrannen,
das PlĂĽndern der Milizen,
das Töten der Hoffnung.
Und Afrika –
die Wiege der Menschheit –
liegt weinend
in den Armen der Welt,
die längst fortgesehen hat.
Habt ihr vergessen,
wie der Hunger schmerzt,
Welt,
die ihr uns nicht sehen wollt?
© Frauke Danker 
Bild mixed media
© Frauke Danker 

 

 

🕊️Gedanken zu Gaza und Israel
Es begann vor langer Zeit –
ein Land, zwei Völker,
Geschichte in Schichten aus Schmerz.
Hoffnung kam mit Heimkehr,
Furcht blieb mit Erinnerung.
Ein Staat wurde geboren,
ein anderer vergessen.
Aus Wunden wurden Mauern,
aus Mauern Hass.
Und wieder Kinder,
die in Kellern zittern.
Der siebte Oktober –
ein Tag wie ein Schrei.
Kibbuze brannten,
und junge Menschen,
die tanzend das Leben feierten,
wurden entfĂĽhrt, ermordet.
Seither brennt alles.
Gaza – ein Ort ohne Zuflucht.
Staub, Hunger,
Menschen, die niemand will.
Bomben regnen,
und die Welt schaut zu.
Was ist Gerechtigkeit,
wenn sie nur fĂĽr eine Seite gilt?
Was ist Erinnerung,
wenn wir sie nicht fĂĽr alle tragen?
Helft den Menschen –
denen in Israel,
denen in Gaza,
denen, die Frieden wollen.
Denn:
Der Holocaust darf sich
nie und nirgends wiederholen.
Ich schreibe dies als Tochter einer jĂĽdischen Mutter,
die im Nazireich um ihr Leben fürchten musste –
und darĂĽber nie sprach.
Ich habe es erst beim Schreiben meines Textes „Betrug war alles“ erfahren.
Doch den Schmerz trug ich wohl immer in mir;
Foto: Meine Mutter, schwanger mit mir – 1944.

Â