In dieser Rubrik verbinde ich fachliche Analyse mit persönlicher Haltung.
Als vereidigte Bausachverständige betrachte ich Wiederaufbau, Stadtentwicklung und den Umgang mit zerstörter Bausubstanz aus technischer und praktischer
Perspektive – jedoch stets mit dem Bewusstsein, dass hinter jedem Bauwerk Menschen, Biografien und Geschichte stehen.
Neben sachlichen Stellungnahmen finden hier auch Gedichte und Reflexionen zum Krieg ihren Platz.
Denn für mich gehören beide Ebenen zusammen: das präzise Verstehen – und das menschliche Begreifen.
Wer heute auf den Nahen Osten blickt, fĂĽhlt sich in eine Endlosschleife der Antike versetzt. Schon vor Jahrtausenden war diese Region
Durchgangsland der Weltmächte, ein Schauplatz von Eroberungen, Glaubenskriegen und Imperien. Doch was wir heute erleben, ist keine bloße Wiederholung der Geschichte –
es ist ihre Eskalation. Und sie wird nicht von den Völkern getragen, sondern von alten Männern in Palästen.
Es ist eine bittere Ironie unserer Zeit: Ein Volk, dessen Geschichte vom unermesslichen Leid des Holocaust geprägt ist, muss heute
zusehen, wie eine skrupellose politische Führung den Ruf und die moralische Integrität einer ganzen Gemeinschaft beschädigt. Eine Kriegsführung ohne erkennbare
Verhältnismäßigkeit liefert den Hetzern weltweit genau das Material, das sie für ihre hasserfüllten Narrative brauchen.
Das Argument der „Verteidigung“ klingt hohl, wenn gleichzeitig Land annektiert wird, als gäbe es kein Völkerrecht.
Doch der Konflikt endet nicht an einer Grenze. Er zieht sich durch die gesamte Region. Auch dort, wo religiöse Macht im Namen des Islam
politische Herrschaft legitimiert, wird Glauben zur Waffe und der Staat zum Instrument einer Ideologie.
Ob jüdischer Messianismus, islamischer Gottesstaat oder christlicher Besitzanspruch – überall dort, wo Religion politische Territorien
begrĂĽnden soll, entsteht derselbe Mechanismus:
Gott wird zum Grundbuchamt.
Dabei geht es selten um den Glauben des kleinen Mannes. Der will schlicht atmen, arbeiten und seine Kinder in Sicherheit aufwachsen
sehen. Es geht um Machtstrukturen, die sich religiös tarnen. Eine spirituelle Tradition wird zur politischen Besitzurkunde umgedeutet – und plötzlich gelten uralte
Schriften als legitime Grundlage fĂĽr Grenzziehungen, Vertreibungen und Kriege.
Religion wird zur Waffe – und die Gläubigen zu Statisten in einem geopolitischen Theater.
Man hört oft den Satz: „Wo diese Menschen sind, ist Konflikt.“ Doch das ist die bequemste Lüge unserer Zeit. Der Konflikt entsteht dort,
wo Religion und Staat nicht getrennt sind.
Das gilt nicht nur fĂĽr den Nahen Osten. Auch Europa hat seine eigenen erstaunlich langlebigen Relikte dieser Verbindung. Warum fungiert
ein moderner Staat noch immer als Inkassobüro für Kirchensteuern? Warum besitzen religiöse Institutionen hunderte Milliarden an Grund und Boden, während ihre sozialen
Leistungen weitgehend aus öffentlichen Mitteln finanziert werden?
Es ist ein altes Prinzip: Besitzstandswahrung unter dem Deckmantel der Nächstenliebe.
Wenn die Vernunft der Menschen nicht ausreicht, diese verkrusteten Strukturen aus Macht, Besitz und Glaubenspolitik aufzubrechen, könnte
eine andere Kraft das erledigen. Der Klimawandel kennt keine heiligen Grenzen und keine „versprochenen Länder“.
Wenn Hitze und Wasser die Paläste erreichen, wird der Kampf um Ideologien plötzlich zweitrangig.
Bis dahin steuern führungsschwache, aber machtversessene Eliten ihre Länder sehenden Auges in die Katastrophe. Eine Selbstzerstörung aus
ideologischer Verblendung.
Wenn kein Stopp kommt – von innen oder von außen – könnte von der mühsam aufgebauten Zivilisation am Ende nur das übrig bleiben, was
diese Region schon einmal war:
Staub.
Und WĂĽste.
Und die Verantwortlichen werden zwischen den Trümmern sitzen, während die Welt sich fragt, warum wir die Trennung von Gott und Staat nie
ernsthaft vollzogen haben.
Alles war kaputt damals. Und doch saßen Männer an Tischen und ordneten die Welt neu.
Auf diesem Bild bin auch ich.
Ein kleines Mädchen, das fragte:
„Papa, warum gibt es Krieg?“
Er sagte:
„Weil die Menschen dumm sind.“
Heute sehe ich wieder Männer an Tischen.
Wieder Karten an Wänden.
Nur heiĂźen die Orte jetzt Teheran, Jerusalem, Washington.
Iran.
Israel.
Die USA.
Regionale BĂĽndnisse. Globale Interessen.
Wieder wird gerechnet, abgewogen, strategisch argumentiert.
Wieder sprechen alle von Sicherheit.
Aber auf keiner Karte sieht man die Angst eines Kindes.
Auf keiner Lagebesprechung hört man das Zittern einer Mutter.
Konflikte entstehen nicht nur auf Schlachtfeldern.
Sie entstehen an Schreibtischen.
In Gedankenspielen.
In Machtlogiken.
Mein Vater verwaltete TrĂĽmmer.
Heute produzieren wir sie wieder – mit mehr Technik, mehr Reichweite, mehr Rechtfertigungen.
Vielleicht war seine Antwort zu einfach.
Vielleicht ist es nicht nur Dummheit.
Aber wer nach zwei Weltkriegen, nach Millionen Toten, nach all den „Nie wieder“-Reden immer noch glaubt, Krieg sei ein Mittel der
Vernunft – der hat aus den Karten hinter sich nichts gelernt.
Karikatur einer überzeichneten Machtfigur zwischen Geld, Geste und öffentlicher Inszenierung.
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Die groĂźe Klimazaubershow
Meine Damen und Herren, treten Sie näher:
Hier sehen Sie das größte Kunststück unserer Zeit.
Ein alter Mann im Anzug steht vor einem brennenden Wald und erklärt, das Feuer sei in Wahrheit eine energetische Umarmung der Natur.
Kohle? Ein schwarzer Diamant der Unschuld. Rauch? Sichtbar gewordene Freiheit. COâ‚‚? Pflanzendoping.
Applaus brandet auf.
Im Hintergrund knacken Eisschilde wie altes Porzellan, Meere ĂĽben schon mal das Treppensteigen, und irgendwo flĂĽstern tausende Forschende
mit stoischer Höflichkeit:
„Es kippt schneller als gedacht.“
Aber wer braucht Modelle, Messreihen, Satelliten – wenn man ein fest verschlossenes Weltbild besitzt?
Manche verwandeln Wasser zu Wein.
Andere verwandeln Fakten zu Meinung.
Und ihre Gefolgschaft nickt so synchron, dass man sie für ein Metronom der Selbsttäuschung halten könnte.
Grotesk ist nicht, dass sie es nicht wissen.
Grotesk ist, dass sie es wissen könnten.
Doch lieber glaubt man, Thermometer seien ideologisch.
Gletscher schmelzen aus Trotz.
Und Naturgesetze lieĂźen sich mit genĂĽgend Applaus ĂĽberschreiben.
Das Klima diskutiert nicht.
Es liefert nur Konsequenzen.
Und während die Bühne langsam wärmer wird, ruft jemand aus der ersten Reihe:
Ich war Finanzierungsberater. Einer von den VernĂĽnftigen.Von den Verantwortlichen.
Menschen kamen zu mir, weil die Miete zu hoch war und sie etwas Eigenes wollten.
Eine Wohnung. Ein Haus. Ein StĂĽck Sicherheit.
Ich hörte zu. Ich rechnete.
Ich nickte. Und dann riet ich ab.
Kein Vermögen. Keine Rücklagen. Ein Kind. Ein Einkommen, das schwankt.
Selbstständig.
Das Leben ist nicht planbar, sagte ich. Und genau deshalb dĂĽrfen Sie kein Eigentum haben. Wer nichts hat, bekommt nichts. Und wer doch etwas bekommt, bekommt es
nur unter der Bedingung, es wieder zu verlieren, wenn er die Kredite nicht mehr bedienen kann.
Nicht aus WillkĂĽr. Nicht aus Bosheit.
Sondern bei Krankheit. Auftragsflaute. Einem Bruch im Leben. Dem Unplanbaren.
Dann greift das System. Sachlich. Regelkonform. Das Haus wird verwertet. Die Schulden bleiben. Das Risiko trägt der Mensch. Allein.
Das wäre schlimm, sagte ich. Für Sie – und natürlich auch für uns.
Also riet ich ab. Aus Verantwortung. Ich habe oft abgeraten. Sehr oft. Und ja, ich habe dabei auf mein Honorar verzichtet, lieber, als Menschen, in ihr UnglĂĽck
stolpern zu lassen. Ich habe keine AbschlĂĽsse gebraucht. Ich habe niemanden ĂĽberredet.
Ich habe nicht verdient, wenn ich Zweifel hatte. Und trotzdem blieb das Ergebnis gleich. Die Menschen blieben Mieter. Flexibel. Anpassungsfähig. Jährlich
kĂĽndbar.
Jährlich teurer. Das Risiko verschwand nicht. Es wurde nur verlagert. Weg von der Bank. Hin zum Menschen.
So funktioniert Verantwortung im System. Wohnen gilt als GrundbedĂĽrfnis. Solange es sich rechnet. Sicherheit ist wichtig.
Aber nicht für Menschen – für Kapital.
Ich habe korrekt gehandelt. Nach allen Regeln. Nach allen Modellen.Und genau darin
liegt die Ungerechtigkeit. Geld regiert die Welt. Ich habe ihm nicht gedient, um reich zu werden. Sondern um Schaden zu begrenzen. Sehr professionell. Sehr
verantwortungsvoll. Schuldig ist nicht der Einzelne, sondern ein System, das Sicherheit nur denen gewährt, die sie nicht brauchen.
Wer nichts hat, bekommt nichts – und wer etwas bekommt, darf es nur behalten, solange er funktioniert.
Das ist keine Vorsicht. Das ist Kapital vor Mensch.
Hier begann das Völkerrecht. Und endete an der Machtfrage.
Gerechtigkeit hat Sieger.
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 Fatalismus oder: Die grausame Erkenntnis
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Vermutlich ist das, was gemeinhin als „ewiges Leben“ bezeichnet wird,
kein metaphysischer Zustand, sondern ein biologischer Prozess:
kontinuierliche Vermehrung, Weitergabe von Information, Erhaltung der Art.
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Das Individuum selbst ĂĽberdauert nicht.
Es bleibt zunächst als Erinnerung bestehen –
in anderen Menschen, in sozialen Strukturen, in kulturellen Fragmenten.
Diese Erinnerung ist zeitlich begrenzt.
Sie verblasst mit dem Verschwinden der Träger.
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Eine Ausnahme bilden Individuen,
die etwas erzeugen, das ĂĽber ihre Lebensspanne hinaus wirksam bleibt:
eine Entdeckung, eine Theorie, eine Berechnung, ein Text.
Doch auch diese Spuren sind nicht unbegrenzt stabil.
Sie unterliegen ebenfalls dem Vergessen, der Ăśberlagerung, der Irrelevanz.
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Daraus folgt eine unbequeme Konsequenz:
Unsterblichkeit ist kein Versprechen, sondern eine statistische Randerscheinung.
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Für religiöse Systeme ist diese Erkenntnis problematisch.
Wenn kein individuelles Weiterleben existiert, kein personales Jenseits, keine transzendente Gedächtnisinstanz, verlagert sich Hoffnung vollständig in die Gegenwart.
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Glaube verliert damit seine eschatologische Funktion und wird zu einem kulturellen Bewältigungsmechanismus.
Nicht Gott entscheidet ĂĽber Dauer, sondern Zeit.
Nicht Moral ĂĽber Fortbestand, sondern Relevanz.
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Die grausame Erkenntnis lautet daher:
FĂĽr die Mehrheit endet Existenz dort, wo Erinnerung endet.
DrauĂźen ist es kalt, ungemĂĽtlich, grau. Schnee? FrĂĽher romantisch. Heute: rutschiges Symbol der Ăśberforderung.
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Man könnte rausgehen.
Oder drinnen bleiben und das Leben philosophisch lösen.
Die Entscheidung fällt erstaunlich leicht.
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Wenn der Mensch nicht mehr friert, weil er dick angezogen ist,
passiert etwas Gefährliches:
Man bekommt Zeit.
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Zeit, um nachzudenken.
Ăśber den Sinn.
Ăśber das Leben.
Über warum man eigentlich jemals dachte, Schnee sei „schön“.
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Im Sommer hat man dafür keine Kapazitäten –
da ist man mit Leben beschäftigt.
Im Winter dagegen sitzt man da, warm, bewegungsarm,
und denkt plötzlich Dinge zu Ende.
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Und irgendwo zwischen Tee, Decke und Stille
entsteht Satire:
der natürliche Schutzmechanismus des denkenden Säugetiers
gegen Kälte, Winter und zu viel Zeit.
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Kurz gesagt:
Wenn es drauĂźen ungemĂĽtlich wird,
wird es drinnen philosophisch.
 Der Sinn des Lebens ist das
Leben. Und – ganz ambitioniert – das Weiterleben. Sicher.
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Denn biologisch betrachtet ist der Sinn ziemlich unromantisch:
Erhaltung der Art. Punkt.
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Solange die Natur gnädig ist, wir etwas zu essen finden (oder herstellen), atmen können und nicht aus Versehen den eigenen Lebensraum sabotieren, läuft
der Laden. Die sogenannten erogenen Zonen sind dabei ĂĽbrigens kein Bonus-Feature aus der SpaĂźabteilung, sondern ein sehr cleverer Trick der Evolution: Lust als Motivation zur Vermehrung. Nicht
zum Zeitvertreib. Zum Zweck.
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Ein Blick ins Tierreich genügt: Da läuft das Ganze genauso. Nur nicht permanent, sondern zyklisch. Saisonware sozusagen. Auch dort werden Junge
aufgezogen, beschützt, gepflegt – zur Erhaltung der Art. Wie bei uns. Nicht bei allen, aber bei den meisten. Auch wie bei uns.
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Und was ist der Mensch biologisch gesehen?
Richtig:ein Säugetier.
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Also? Uns unterscheidet gar nicht so viel von den anderen.
Außer vielleicht, dass wir anfangen, PowerPoint-Präsentationen über denSinn des Lebenszu halten, während andere Säugetiere einfach…
leben.
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Kurz gesagt:
Wir denken zu viel.
Der Sinn ist längst geklärt.
Er ist nur leider nicht besonders poetisch.
Wir leben in einer Zeit, in der Menschenrechte zuverlässig eingehalten werden.
Zumindest theoretisch.
Praktisch werden sie situationsabhängig angewendet.
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Menschen, die erschossen werden, gelten als Kollateralschäden.
Das ist kein Zynismus, sondern Verwaltungslogik.
Wo gehobelt wird, fallen Menschen.
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Kinder sind dabei besonders tragisch –
weshalb man sie möglichst schnell in Zahlen umwandelt.
Zahlen schreien nicht.
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Wer stirbt, war entweder Terrorist oder stand kurz davor, einer zu werden.
Das spart Ermittlungen.
Unschuldsvermutung ist schlieĂźlich ein Luxusgut.
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Menschen verschwinden heute nicht mehr.
Sie werden verlegt, isoliert oder vorübergehend unzugänglich gemacht.
Rechtsstaatlich begleitet, nur eben ohne Ă–ffentlichkeit.
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In Lagern und Gefängnissen geschehen Unfälle.
Menschen stĂĽrzen, ersticken, verwechseln Fenster mit TĂĽren.
Das Leben ist gefährlich – besonders in Haft.
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Militärische Gewalt ist präzise.
So präzise, dass sie ganze Familien trifft.
Aber immerhin zielgerichtet.
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Folter existiert nicht.
Sie wurde sprachlich abgeschafft.
Ăśbrig geblieben ist eine Form intensiver Kommunikation mit nachhaltiger Wirkung.
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Und wenn all das kritisiert wird,
kann man beruhigt darauf verweisen, dass man die Menschenrechte hochhält.
Sehr hoch.
So hoch, dass man sie von unten kaum noch erkennen kann.
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Im Tierreich herrscht Grausamkeit ohne Ideologie.
Der Mensch hat sie perfektioniert
und Menschenrechte darĂĽber geschrieben.
Warum der Wiederaufbau in Syrien und im Irak nicht mit Deutschland 1945 vergleichbar ist:
Syrien und Irak – schlimmer als Deutschland 1945!
Und Herr Wadepuhl hat
durchaus recht:
Die Lage in Syrien – und ebenso im Irak – ist in vielerlei Hinsicht schlimmer als die Situation in Deutschland im Jahr 1945.
Denn hier nützen keine zwangsverpflichteten „Trümmerfrauen“, die damals gegen Brotmarken Aufräumarbeiten leisten mussten – und deren
Tätigkeit, entgegen späterer Verklärungen, keineswegs freiwillig war.
Dieses Modell der Nachkriegszeit lässt sich auf Syrien oder den Irak schlicht nicht übertragen: Während die Frauen in Deutschland
überwiegend Backsteinbauten per Hand abtragen und die Ziegel reinigen konnten, bestehen die zerstörten Städte dort heute weitgehend aus massiven
Stahlbetonkonstruktionen.
Solche Betonteile lassen sich nicht per Hand sortieren, stapeln oder wiederverwenden. Hier braucht es schwere Baumaschinen,
Brecheranlagen und qualifiziertes Fachpersonal, um Bewehrungen zu entfernen und das Material so zu zerkleinern, dass es erneut genutzt werden kann. Der Einsatz
entsprechender Maschinen kostet leicht 250.000 € und mehr.
Eine Bevölkerung, die zwangsweise abgeschoben und anschließend in Zelten oder provisorischen Behausungen untergebracht würde, könnte
unter diesen Bedingungen weder beim Wiederaufbau helfen noch sinnvoll integriert werden – sie stünde vielmehr buchstäblich im Weg.
Auch die Idee, wie in Deutschland nach 1945, in Kellern notdürftig zu wohnen, ist bei zerstörten Betonbauten unrealistisch: Die Statik
solcher Gebäude wäre in jedem Einzelfall unklar oder bereits gefährlich beeinträchtigt.
DarĂĽber hinaus darf sich ein weiterer Fehler der Nachkriegszeit nicht wiederholen: der Verlust von KulturgĂĽtern durch achtloses
Zuschütten oder Abräumen historischer Stätten. In Syrien wie auch im Irak – man denke etwa an Palmyra oder Mossul – wäre ein solcher Umgang mit dem kulturellen Erbe
ein irreparabler Schaden von weltweiter Tragweite.
Ich spreche hier aus fachlicher Erfahrung: Als vereidigte Bausachverständige mit langjähriger Berufspraxis kann ich die baulichen und
technischen Zusammenhänge beurteilen.
Man
sollte wissen, worüber man spricht, bevor man fordert, Menschen „einfach zurückzuschicken“.
Die Wiege der Menschheit – und doch wird gemordet, geschändet, verbrannt. Niemand hilft. Die Welt sieht weg. Sind wir nur schwarz, und darum nichts wert? Selbst in den Geburtsstationen tötet man Kinder, noch ehe sie das Licht erblicken. Will man uns ausrotten? Wo ist der Mensch? Ist er nur ein Raubtier, das Blut schmeckt und schweigt? Menschlich nennt man jetzt das Morden der Tyrannen, das Plündern der Milizen, das Töten der Hoffnung. Und Afrika – die Wiege der Menschheit – liegt weinend in den Armen der Welt, die längst fortgesehen hat. Habt ihr vergessen, wie der Hunger schmerzt, Welt, die ihr uns nicht sehen wollt?